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Tagebuch einer Hundeadoption




Hier stellen wir Ihnen unseren Hund "Benito" vor und erzählen Ihnen, wie er zu uns kam.


       18. Februar 2003: "Die Entscheidung"

Wir sahen im Internet das Foto von BLANCOBLUE, der seit etwa zwei Monaten im El Refugio, einer Auffangstation in Malaga, auf ein neues Zuhause wartete und entschieden uns nach zweitägiger, reiflicher Überlegung, ihn als neues Familienmitglied zu uns zu nehmen. Uns wurde von Fr. Fabienne Paques, die sich vor Ort um Blancoblue kümmerte, mitgeteilt, dass es sich um den Hund einer spanischen Familie handelt, die ihn an einer Kette vor dem Haus fast verhungern ließ und regelmäßig mit Fußtritten bearbeitete, bis er dann doch zur "Entsorgung" ins El Refugio gebracht wurde. Nach Kontaktaufnahme mit "A.C.E. - Animal Compassion Europe- Tiere in Not e.V." konnte eine Flugpatenschaft für den folgenden Samstag gefunden werden. Wir kauften einen Hundekorb, Leine und Halsband für Blancoblue und warteten auf seine Ankunft. Eine Dame aus München mit ihren zwei Töchtern würde ihn und noch einen weiteren Hund mit nach Deutschland bringen, was alles von Fabienne vor Ort in Malaga organisiert wurde. Wir erfuhren die genaue Ankunftszeit des Flugzeuges aus Malaga, da wir den Hund gerne selber am Flughafen abholen wollten.


"Blancoblue" noch im El Refugio




 22. Februar 2003: "Zuhause"

Am Samstag fuhren wir, ausgerüstet mit einem Auto mit großem Kofferraum und einer Packung Frolic, zum Flughafen.
Das Flugzeug kam pünktlich an, wir trafen am Flughafen noch eine andere Dame, die einen Boxer aus dem El Refugio abholen wollte, und warteten. Als letzte Fluggäste erschienen die "Flugpatin", Frau Winkler, und ihre zwei Töchter mit den beiden Hunden, die sie vom Sperrgepäck-Schalter abgeholt hatten. Die Hunde saßen friedlich in Ihren Boxen, sie Waren schläfrig vom Beruhigungsmittel, das sie vor Abflug erhalten hatten um den Flug besser zu überstehen. Aber Blancoblue, den wir von nun an BENITO nannten, fraß erst einmal die ganze Tüte Frolic auf, die wir ihm durch das Gitter reichten. Wir erhielten den Impfpass des Hundes, verluden die Box in unser Auto und fuhren mit Benito in sein neues Zuhause.
Dort angekommen ließen wir ihn an der Leine aus der Box und gingen erst einmal ein kleines Stück spazieren. Er konnte allerdings aufgrund des Beruhigungsmittels kaum laufen, so dass wir den Spaziergang Schnell beendeten. Wir holten unseren anderen Hund, eine Westie-Dame namens LOTTE, aus dem Haus, damit sich die beiden auf "neutralem Boden" beschnuppern konnten, was auch problemlos funktionierte. Im Haus angekommen beschnupperte Benito alles ausgiebig, um danach sofort sein neues Körbchen zu beziehen und ein paar Stunden zu schlafen.
Er fraß alles was wir ihm anboten gierig auf, trank auch gut, erkundete den Garten und sah den -vermutlich- ersten Schnee seines Lebens. Insgesamt war er sehr friedlich, hat uns sofort als "Adoptiveltern" ins Herz geschlossen, was man daran erkannte, dass er andauernd gestreichelt werden wollte. Wir waren allerdings zuerst reichlich irritiert darüber, dass er uns vielfach laut "anbrummte". Mit der Zeit gab sich das aber und wir erfuhren später durch unseren Hudnetrainer Herrn Di Palma, dass dies durchaus eine gewisse "drohende Funktion", also als leichtes Knurren anzusehen war. Er benahm sich ansonsten, als wäre er schon immer hier gewesen, lag friedlich in seinem Korb und beobachtete alles.




Benitos neues Nest und das von Lotte geklaute Spielzeug



 23. Februar 2003: "Der erste Tag"

Die erste Nacht verlief problemlos, Benito schlief friedlich. Er hatte lediglich etwas Durchfall, was nach den Strapazen des Fluges völlig normal ist, aber dank unseres Parkettbodens auch kein Problem war. Das war bisher das einzige mal, dass er ins Haus machte, wir hatten scheinbar tatsächlich das Glück, einen stubenreinen Hund erhalten zu haben, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten.
Wir fanden heraus, dass er sehr gerne und weit spazieren gehen mochte, Angst hatte zu verhungern obwohl immer ein voller Napf mit Trockenfutter vor ihm stand und dass er gerne Auto fuh. Gegenüber anderne Menschen war er allerdings etwas misstrauisch und ängstlich, und brummte auch diese an.
Dafür ist er gegenüber unserer kleinen Lotte umso mutiger: wir werden ihm erst abgewöhnen müssen, dass er Lotte alle Kauknochen und ähnliches sofort wegreißen will um sie zu verstecken und für schlechte Zeiten aufzuheben. Lotte ist ihrem neuen Partner gegenüber noch sehr skeptisch: teilweise will sie spielen oder knurrt ihn mutig an, teilweise versteckt sie sich vor ihm unter dem Bett und mag seine Gesellschaft gar nicht dulden. Benito ist Lotte gegenüber bisher eher gleichgültig eingestellt, ab und zu hat er im Garten aber auch schon versucht mit ihr zu spielen. Wir hoffen, dass die beiden noch dicke Freunde werden.




Benito im ersten Schnee seines Lebens



 24. Februar 2003: "Tierarztbesuch"

Heute stand gleich der erste Tierarztbesuch auf dem Plan, nur um Benito einmal gründlich durchchecken zu lassen. Er war ganz brav, hatte keine Angst vor dem Tierarzt, ließ sich untersuchen und ließ auch die Kaninchen und Katzen im Wartezimmer in Frieden, wenn er auch gerne mal eines genauer unter die Lupe genommen hätte... Er scheint kerngesund zu sein! Nächste Woche erwartet ihn allerdings eine größere Prozedur: wir werden ihn kastrieren lassen, eine Blutuntersuchung auf Herzwürmer durchführen, die Wolfskrallen an den Hinterbeinen entfernen und ihm einen Chip implantieren lassen. Dann steht eine Übernachtung in der Tierklinik an, hoffentlich nimmt er uns das nicht übel..!?



Benito und Lotte



  27. Februar 2003:"Zwischenbilanz"

Benito hat scheinbar permanent Angst, zu verhungern, vermutlich aufgrund seiner Erfahrungen in Spanien, wo ihm dieses Schicksal ja tatsächlich gedroht hatte. Obwohl immer ein prall gefüllter Napf mit Trockenfutter in der Küche steht, und er noch zusätzlich selbst gekochtes Essen bekommt, war er anfangs unglaublich gierig auf alles fressbare. Das ging so weit, daß er uns fast in die Finger biss, wenn wir ihm ein Stück Wurst o.ä. hinhielten, dass er gar nicht mehr "ansprechbar" war, wenn er etwas Essbares sah sondern nur in Richtung Essen starrte, auf zwei Beinen durch die Küche hüpfte, und dass er Lotte von ihrem Essen verscheuchte, um dieses zuerst aufzufressen und danach seinen Napf leer zu futtern.
Da uns das recht unangenehm war, haben wir einen Versuch gestartet, der auch wunderbar funktionierte: Wir beschlossen, ihm einfach so viel "besonders gutes" Essen zu geben, daß er irgendwann keine Lust mehr haben würde, zu fressen, auch auf die Gefahr hin, dass ihm übel würde und er sich vielleicht übergeben müßte. Wir gaben ihm also einen Riesentopf mit gekochtem Schweinegoulasch und Nudeln sowie Wiener Würstchen ganz nach quot;Gier". Insgesamt fraß er sechs Würstchen und drei Viertel des Kochtopfes leer. Dann fing er jedoch an, sich aus dem Topf das Fleisch rauszupicken und die Nudeln liegenzulassen, und kurz darauf hörte er tatsächlich endlich auf zu fressen. Seither frißt er gemäßigter, nimmt Lotte ihr Futter nicht mehr oft weg und beißt uns auch nicht mehr andauernd in die Finger, wenn wir ihm etwas Fressbares hinhalten: Versuch geglückt (Anm: inzwischen ist ein halbes Jahr vergangen und er noch immer gierig, aber etwas gemäßigter).
Ansonsten versteht er sich inzwischen gut mit Lotte, die beiden spielen auch schon gelegenlich zusammen, sowei man dies als Spielen bezeichnen kann: Benit springt herum und macht furchtbare Töne, die eher bedrohlich klingen, als freundlich, obwohl er aber offensichtlich tatsächlich spielen will. Lotte springt dann mit rum, wenn wir in der Nähe bleiben. Ansonsten hat sie eher Angst und bleibt ruhig stehen. Wir können das noch nicht so richtig interpretieren. Fast kommt es uns vor, als würde er keine "Hundesprache" sprechen. Vielleicht liegt das an mangelnder Sozialisation?
Etwas problematisch ist, dass wir ihn noch nicht ohne Leine herumlaufen lassen können, dass er aber einen großen Bewegungsdrang hat, den wir viel besser stillen könnten, wenn er frei laufen könnte. Momentan würde er uns ohne Leine sicher weglaufen. Aber das wird schon noch!



Benito und der große Freßnapf



  07. März 2003: "Ein halber Mann"

"Hallo, hier spricht Benito. Meine Familie hat mich eben von Tierarzt abgeholt. Ich bin nur noch ein halber Mann und meine Wolfskrallen sind weg, aber dafür habe ich einen Chip bekommen und eine eigene Nummer. Aber meine Leute sagen sowieso schon die ganze Zeit ich wäre eine "ganz schön komische Nummer"...das soll einer verstehen!? Die schreckliche Halskrause stört mich gewaltig, weil ich mir immer vorkomme wie ein Schneepflug. Ausserdem kann ich nirgends richtig schnüffeln weil meine Nase zu kurz ist... und wenn ich nicht schnüffeln kann, kann ich auch nicht ...na, lassen wir das! Jetzt habe ich jedenfalls alles überstanden und das Leben kann beginnen! Yippie!!!"


 Juli 2003: "Alles im Griff"

"Nun ist ein halbes Jahr vergangen und ich bin schon fast gaaaanz lieb und brav: ich höre manchmal ein bisschen, ich kann ab und zu an der Leine gehen, ohne Leine kann ich immer meistens gar nicht bleiben, aber sonst bin ich ganz brav. Ich habe inzwischen viele Besitztümer, die ich in meinem Körbchen sammle und bewache, damit sie nicht weglaufen. Außerdem schläft es sich da so kuschelig."


Mein Nest!



"Meine Hundekollegin "Lotte" hat sich inzwischen mit mir abgefunden und manchmal habe ich sogar dass Gefühl, sie mag mich ein bisschen. Bei Spielen bin ich zwar meistens etwas zu groß und zu grob, aber manchmal fliegt sie mit mir trotzdem auf "Wolke 7"..."



Lotte greift an!



"Und inzwischen ist Sommer, und ich bewache die Terrasse. Seit ich vor etwa vier Wochen auf der Wiese im Garten auf einen glitschigen Frosch getreten bin, mag ich gar nicht mehr auf Gras laufen. Und vor allem nicht, wenn das Gras naß ist! Dann müssen mich meine Leute mit Futter auf die Wiese locken und ich hüpfe dann auf drei Beinen zum Futter, mache eine schnelle Kehrtwendung und renne wieder auf die Terrasse. Nee, noch mal mag ich nichts nasses, glitschiges an meinen Füßen haben!"






"So, nun wünsche ich allen meinen Hundekollegen aus Malaga ein ebenso gemütliches Zuhause!"



"Auf Wiedersehen!"



 Januar 2006: "Rückmeldung"

"Jetzt bin ich schon fast 3 Jahre bei meiner Familie... kaum zu glauben.
Ich habe mich inzwischen sehr gut eingelebt, aber es hat schon eine ganze Weile gedauert, bis ich mich richtig sicher gefühlt habe und keine Angst mehr hatte, dass ich irgendwann wieder weg muß. Inzwischen bin ich auch nicht mehr so verfressen, denn ich weiß, dass es immer genug für mich gibt!
Ich habe mir inzwischen eine beachtliche Sammlung Hundespielzeug zugelegt. Dieses sammle ich dann auf meinem Teppich im Wohnzimmer und sortiere es um mich herum. Und wehe, wenn eines der Stofftiere sich bewegt! Dann schnappe ich es mir und schüttle ihm die Flausen aus dem Fell.
Ohne Leine laufen darf ich leider noch immer nicht. Denn ich merke natürlich ganz genau, wenn die Leine weg ist. Dann interessieren mich Frauchen und Herrchen erst einmal gar nicht mehr. Warum auch, die finden doch auch alleine wieder nach Hause! Aber anscheinend haben die Angst, ohne mich über die große Straße zu gehen. Jaja, diese Menschen...
Inzwischen hat mich auch die Zivilisation eingeholt und ich muß für dumme Weihnachtsfotos posieren. Das ist wirklich albern... aber meine Hundefreundin Lotte hat es auch nicht besser hingekriegt, wie man sieht. Nächstes Jahr fallen solche Fotos aus, da mache ich nicht mehr mit.


Kurz vor Weihnachten 2005




Ich war auch schon mal zwei Wochen im Urlaub, in einem Hundeinternat bei Herrn Di Palma... Der hat auch drei Hunde und da habe ich mal gelernt, dass andere Hunde auch was zu melden haben und dass man Katzen nicht essen darf. Außerdem habe ich gelernt, dass Frauchen und Herrchen am Leinenende alleine laufen können und auch wissen wo sie hin wollen, und dass man sie nicht "abschleppen" muß. Naja, wenn die meinen.
Wenn meine Menschen in den Urlaub fahren, dann bekomme ich einen eigenen Hundesitter, der dann bei uns im Haus einzieht. Den mag ich sehr, denn der geht stundenlang mit mir spazieren. Wir haben immer viel Spass, so dass ich es kaum erwarten kann, dass der nächste Urlaub kommt.

Ich bin inzwischen im Haus sehr lieb und verschmust, mir reicht es schon, wenn ich meinen Kopf auf Herrchens Fuß legen darf (und das tue ich die ganze Zeit). Lotte ist mir einigermaßen egal. Mit ihr kann ich nicht richtig spielen, sie versteht meine Spielaufforderungen einfach nicht. Dafür hat sie eine tolle Nase und erschnüffelt beim Gassigehen tolle Dinge (ich kann leider nicht so doll richten, ich sehe dafür sehr gut). Und wenn sie etwas Tolles entdeckt hat, dann komme ich angerannt und schnüffle dort weiter, während sie die nächste tolle Stelle sucht.

So, liebe Leute. Ich wünsche Euch alles Gute und melde mich bei Gelegenheit mal wieder. Grüßt meine Hundekollegen von mir!



 Januar 2007: "Mir gehts prima"

Tja, ich habe ein aufregendes Jahr hinter mich gebracht.
Ich habe gelernt, neben einem Fahrrad herzulaufen. Das ist gut für die Figur, hat man mir gesagt (wohl am ehesten für die Figur vom Frauchen...). Jedenfalls kann ich mich da mal richtig austoben beim Laufen. Ungerecht ist allerdings, dass Lotte aufgrund ihrer kurzen Beine nicht so schnell rennen kann und daher immer stückweise in einem Fahrradkorb durch die Welt gefahren wird. Naja, immer Ärger mit den Kleinen...

Leider hatte ich diese Jahr insgesamt 5 mal einen Abszeß an der Analdrüse. Da hat man sich nach reiflicher Überlegung entschlossen, sie operativ zu entfernen. Die Operation habe ich auch gut überstanden, allerdings rieche ich jetzt nicht mehr so attraktiv wie vorher, finde ich. So werde ich nie eine attraktive Frau finden, fürchte ich. Und Lotte ist nicht mein Typ.

Auch diese Jahr an Weihnachten haben meine Zweifüßer wieder versucht, mich zu verunstalten, um blöde Fotos für Ihre Weihnachtspost zu bekommen. Da mir letztes Jahr die Mütze nicht gestanden hat, hat man mir diese Jahr glatt Hörner aufgesetzt. Schäme mich wirklich, diese Bilder zu zeigen...




Kurz vor Weihnachten 2006


Nun ja, was soll man machen? Dafür habe ich zu Weihnachten ein neues Hundekörbchen bekommen. Ich hoffe, dass mir dieses Verkleidungs-Theater nächstes Jahr erspart bleibt.
Ansonsten werde ich mal meine Zähne zeigen...







Ich wünsche Euch alles Gute,
bis bald,
Euer Benito

 Dezember 2009: "Jetzt kommen die ruhigen Jahre"

Die letzten zwei Jahre waren sehr ereignisreich. Im Sommer 2008 bin ich umgezogen, weil meine Zweibeiner ein Haus mit schönem Garten erworben haben. Das haben sie nur für uns Hunde gekauft, sagen sie, weil es so schön mitten in Wiesen und Wäldern liegt. Das stimmt auch: wenn ich durch den Gartenzaun schaue, was ich sehr gerne tue, dann sehe ich nur grün. Das hat mich auch zwei mal dazu verleitet, einen Ausflug alleine zu unternehmen. Ich versteh gar nicht, warum sich die Zweibeiner da so aufgeregt haben. Naja, ich bin ja wieder da...

Außerdem sind wir jetzt zu fünft, ich habe jetzt drei Zweibeiner, wobei der eine noch so klein ist, dass ich gar nichts mit ihm bzw. ihr anfangen kann. Aber sie will mich immer streicheln, und das gefällt mir natürlich. Man muß ein wenig aufpassen, dass sie sich nicht unlösbar in meinem Fell verkrallt, aber wenn das Menschenkind etwas älter ist, dann wird sie das schon noch kapieren.
Ihr Geschrei stört mich gar nicht, denn ich bin inzwischen fast taub. Aber auch das stört mich gar nicht. Mir geht es gut und ich geniesse jetzt den ruhigen Teil meines Lebens.


Im neuen Garten


Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins Jahr 2010,
bis bald,
Euer Benito


Bettina Zinka

Bei Benitos nicht ganz einfacher "Erziehung" hat uns geholfen: